England’s most played fixture – Villa vs Everton

Obwohl Aston Villa das Spiel gegen die Mannschaft mit den meisten Erstligaspielzeiten in England nicht gewinnen konnte und es nicht gerade ein Spiel mit super vielen Torchancen war, haben wir es nicht bedauert für diesen Klassiker auf die Insel geflogen zu sein.
Das Spiel begann mit einer von der Heimmannschaft dominierten Phase, in der man Ball und Gegner ordentlich laufen liess. Was fehlte, war der letzte Pass in die Spitze, sodass das Spiel nicht sehr aufregend war. Everton beschränkte sich ganz darauf hinten alles zuzustellen und Villas einzige Spitze, Darren Bent, unter Kontrolle zu halten. Die größte Chance der ersten Hälfte hatte aber überraschend dann Everton, als Villas Linksverteidiger Stephen Warnock den Ball statt zur Ecke ziemlich scharf aufs eigene Tor köpfte – zum Glück war Keeper Shay Given auf dem Posten. Soweit ich informiert bin, entstammt Warnock einer Everton-Familie, aber ich will ihm da keine Absicht unterstellen, auch wenn ein so erfahrener Mann die Situation leicht etwas eleganter hätte lösen können.
So ging es also torlos in die Pause, und es setzte ein zaghaftes Buhen von den Rängen ein, für mich und meine Begleiter nur deshalb verständlich, weil Villa vor diesem Spiel vier Heimniederlagen in Folge erlitten hatte. Das Buhen wurde dann aber doch durch aufmunternden Applaus übertönt.
Und es wurde besser. Villa spielte etwas zwingender und holte eine Vielzahl von Ecken heraus, neuerdings ausnahmlos von Winger Marc Albrighton getreten. Allerdings hatte Albrighton nicht unbedingt seinen besten Tag als Flankengeber. Und doch war er indirekt am Führungstreffer beteiligt., als eine seiner Hereingaben per Kopf wieder in Richtung rechte Seite gespielt wurde -genau auf den Fuß von Stephen Ireland, der den Ball prompt wieder ins Sturmzentrum zurückspielte und Darren Bent fand, der trocken einschoß.
Es folgte die beste Phase des Spiels, als Villa mit der Führung im Rücken nun auch selbstbewußter aufspielte und der Anhang im Holte End sich hin und wieder sehr laut meldete. Everton gelang aber mitten in diesen Abschnitt hinein, der beste Angriff des ganzen Spiels, als man den Ball schnell und direkt laufen ließ und Anichebe eiskalt vollstreckte.
Also nur Unentschieden – aber trotzdem war es ein Erlebnis, was nicht zuletzt am Gegner und vor allem dessen Fans lag. Der Gästeblock war wirklich ein blauer Bereich im Stadion, der sich in der ersten Halbzeit und nach dem Ausgleich wieder lautstark bemerkbar machte.
Einige bescheidene Fotos zum Stadion und dessen Umfeld…

Vom Bahnsteig der Witton Station aus. Leider stand die Sonne genau hinter dem Stadion, sodass ich mir einen Platz zum Fotografieren suchen musste, wo sie abgedeckt war. Das Bild ist daher nur ein ganz schwacher Eindruck vom wirklichen Anblick.

In der Witton Lane, links im Vordergrund das Aston Manor Transport Museum.

Links die Gegengerade, der Doug Ellis Stand, rechts der North Stand.

Aufgang zum Holte End.

Nochmal von der anderen Seite.

Die Haupttribüne. Eiskalt die Trinity Road überbrückend.

Ohne Worte

Die Statue des geistigen Vaters der ersten Fußball Liga der Welt: William McGregor.
Die Statue wurde 2009 errichtet, nachdem Villa Fans jahrelang Geld für dieses Ziel gesammelt hatten. Am Ende übernahm der Club die Hälfte der Kosten.

Hinter den kurzen Tribünen sind Fanbetreuer im Einsatz. Schon hinter dem Holte End hatten wir ein sehr nettes Gespräch mit einem dieser Herren, den es erstaunte, dass Villa auf einmal Fans auf allen Kontinenten hat und dass sogar Leute ganz aus Australien kommen, um Stadion und Mannschaft höchstpersönlich in Augenschein zu nehmen. Nachdem ich die Statue fotografiert hatte, kam also ein zweiter Herr auf uns zu und bot an uns davor zu fotografieren. Ich finde das großartig, auch wenn es natürlich das ein oder andere gelungenere Bild in der Geschichte der Fotografie gibt.

Aufwärmen vor dem Spiel. Villa in der rechten Spielfeldhälfte, Everton in der linken.

Das Aufwärmen der Fans: Programmlektüre.

Während des Spiels habe ich die Kamera in der Tasche gelassen. Ich bin ja schon bei völlig unbewegten Objekten nur ein absoluter Fotoamateur und obendrein habe ich kein passendes Objektiv für meine schlichte Kamera, deshalb also auch kein Bilddokument der Einwechslung vom neuen Villa-Leihspieler Robbie Keane oder gar des Treffers von Darren Bent.
Bei berechtigter Kritik und unberechtigtem Lob bitte melden. Und gerne auch die Bilder aus der Stadt ansehen:

Birmingham – Stadt ohne Fluß

Birmingham hat keinen guten Ruf, was seine Schönheit angeht. Das kann natürlich absolut stimmen, wenn man die ganze Stadt betrachtet, aber die kenne ich nicht. Ich kenne neben der engsten Umgebung des Villa Parks nur das Stadtzentrum und das kann sich sehen lassen, wie ich finde.
Statt vieler Worte lege ich mal gleich mit den Bildern los:

Das Hyatt haben wir uns natürlich nicht geleistet. Aber wir mussten täglich daran vorbei.

Kanal in Brindleyplace bei Nacht.

In die andere Richtung fotografiert.

Ein drittes Mal.

Da unser Hotel in unmittelbarer Nähe lag, haben wir uns am nächsten Morgen gleich wieder zu den Kanälen aufgemacht.

Ein Narrowboat in voller Länge.

Smoke on the water.

Eine ganze Armada von Narrowboats.

Wenn ich hier richtig liege. ist rechts einer der beiden urprünglichen im damaligen Ort fließenden Bächlein. Im Zuge des Ausbaus des Narrowboat-Kanalnetzes ist zumindest einer dieser Bächlein auch kanalisiert worden. Ohne den Wasseranschluß wäre die Stadt im 19. Jahrhundert wohl kaum zur Werkstatt der Welt geworden. Kohle und Rohstoffe wurden über das Wasser angeliefert, die Fertigprodukte auf demselben Weg in die Welt geschafft. Da das englische Kanalnetz bereits im 18. Jahrhundert angelegt wurde und man damals keine wirklich breiten Schleusen bauen konnte, mussten die Schiffe schmal sein. Nachdem die Eisenbahn den Narrowboats als Transportmittel den Rang abgelaufen hatte, schienen sie unterzugehen, aber seit dem 2. Weltkrieg erleben sowohl das Kanalnetz als auch die Narrowboats eine Wiedergeburt. Heutzutage gibt es weit mehr Narrowboats in Großbritannien als in ihrer Blütezeit Ende des 18. – Anfang des 19. Jahrhunderts.

Nach dem Erbauer zahlreicher Kanäle James Brindley ist der Stadtteil Brindleyplace benannt.

Die Gesamtansicht.

Birmingham hat eine ganze Reihe berühmter Bands und Musiker hervorgebracht. Auch an andere Brummies, die es zu etwas gebracht haben, wird in der Broad Street auf dem ‘Walk of Stars’ erinnert.

Die Nacht von Rotterdam wurde natürlich auch zementiert.

Der musikalische Kopf der Metal-Erfinder Black Sabbath.

Diese Akropolis heisst zwar Town Hall…

aber nebenan steht das Council House, das Rathaus.

Braucht man nichts dazu schreiben, oder ?

Ein Haus in der Broad Street

Ich weiss, das Hotel sieht nicht schön aus, aber wir waren schon zum zweiten Mal absolut zufrieden und glücklich darin, und das können wir nicht von jedem englischen Hotel behaupten. Wir waren vor zwei Jahren durch die Buchung des Reisebüros ins Jurys Inn verschlagen worden und diesmal habe ich wieder über das Reisebüro gebucht. Da zahlt man verglichen mit dem Preis, den wir bei Online-Buchung hätten löhnen müssen, wirklich nur einen Spottpreis. Zwei Nächte inklusive Frühstück und immer freundlichem Personal sind da billiger als hier in Hamburg eine Nacht ohne Früstück im mittelpreisigen Hotel.

Post aus England

Rechtzeitig zum Premier League Marathon am Boxing Day, zwischen den Jahren und am Neujahrswochenende ist mein Weihnachtsgeschenk doch noch eingetroffen:

 

Nach der heutigen Schicht wartet ein ellenlanger Urlaub bis nach unserem Birmingham-Trip auf mich.
Also, frohe Weihnachten allen Leserinnen und Lesern !

Ein weisser Fleck auf der Karte – Die Tragödie

England hatte als stolze Nation zwar eine Tradition in der Polarforschung, allerdings kümmerte sich die dabei federführende Marine nicht groß um die Erfahrungen und Überlebenstechniken von Menschen, die in Schnee und Eis überleben müssen. Auch nicht die Königlich Geografische Gesellschaft, die in wissenschaftlicher Hinsicht bei Polarexpeditionen die Richtung vorgab. Ihr Vorsitzender Markham, ein glühender Verfechter des sogenannten “Man-hauling”,  brachte das britische Dilemma auf den Punkt:

“Schlittenunternehmen OHNE Hunde sind mit nichts zu vergleichen. Wenn Peary, Nansen oder Sverdrup ihre Sachen von Hunden ziehen lassen, während sie daneben hergehen, ist das viel leichter.”

Nur war gerade das das Problem: Wenn man nur so schnell vorankam, wie ein Mann auf seinen zwei Beinen gehen konnte, schaffte man entweder in einem antarktischen Sommer nicht den Weg zum Pol und zurück oder man schaffte es bis zum Pol, aber nicht mehr lebend wieder zurück, denn Menschen, die schwere.Lasten durch unwegsames Gebiet ziehen, haben einen enormen Energiebedarf. Dieser ist weit höher als was man damals an Proviant selbst hinter sich herziehen konnte, selbst wenn man einen Teil davon in Depots ablegte. Und Menschen zu Fuß sind weitaus langsamer als Schlittenhunde, besonders wenn andere Menschen als geübte Skiläufer neben ihren von  Hunden gezogenen Lasten laufen oder sich einfach auf den Schlitten setzen oder stellen.

Auf einer Expedition in den Jahren 1902/03 hatten sich die Briten defacto allerdings bereits von ihrem reinen Selbstziehen verabschiedet. Man gab sich modern und hatte sowohl Schlittenhunde als auch Ski dabei, als Robert F. Scott, Edward Wilson und Ernest Shackleton einen neuen Südrekord aufstellten und dafür gefeiert wurden. Trotzdem ist diese Expedition das Skurrilste, was man sich vorstellen kann. Niemand konnte auf den Skiern laufen, deshalb wurden sie kaum benutzt. Niemand hatte sich mit dem Führen von Schlittenhunden vertraut gemacht und so gehorchten die Tiere nicht, was schließlich dazu führte, dass die drei Männer den Schlitten selbst zogen, während die Hunde daneben herliefen. Niemand kam auf die Idee, dass die Fehler bei ihnen selbst, den Menschen, lagen und nicht bei den Skiern oder den Hunden.
Es war Shackleton, der auf die Idee verfiel, sibirische Ponys als Zugtiere in der Antarktis zu benutzen. Er probierte das auf einer Südpolexpedition zwischen 1907 und 1909 aus und hätte fast den Südpol erreicht. Allerdings war das letzte Pony  schon weit vor der Hälfte des Hinwegs zum Pol zugrunde gegangen, und Shackleton und seine Männer zogen den Schlitten dann wieder selbst bis zu einem neuen Südrekord und zurück zum Basislager. Den Südpol konnten sie nicht erreichen, weil sie nicht genügend Proviant dabei hatten.
Ponys sind Pflanzenfresser, eine Binsenweisheit, jedes Gramm Futter musste man für sie aufwendig in die Anatarktis schaffen und dann durch Schnee und Eis ziehen. Ponys schwitzen über Haut und Fell bei und nach getaner Arbeit. Man musste sie in Pausen und nachts erst abreiben und dann mit Decken schützen und gar Schneewälle auftürmen, um sie vor dem kalten Wind zu schützen. Unnötige Extraarbeit, wenn man Hunde genutzt hätte. Auch Schlittenhunde sind nicht jeder arktischen oder antarktischen Temperatur gewachsen. Jedoch graben sie sich selbst in den Schnee, wenn sie frieren. Hunde musste man einfach nur füttern und verstehen, wie sie zu führen waren.

Diese Erkenntnis ging Scott erst auf, als es für den Erfolg seiner Südpolexpedition 1911/12 schon zu spät war, denn auf dieser Expedition hatte er zwei Schlittenhundegespanne mit erfahrenen Hundetreibern dabei, neben sibirischen Ponys, drei neu entwickelten Motorschlitten und der unvermeidlichen Bereitschaft die größte Strecke selbst als Zugtier zu dienen.
Von Anfang an war die Expedition in Zeitverzug, denn das Expeditionsschiff, ein altes Walfangschiff, machte Schwierigkeiten und musste in einer Werft erst zeitraubend instand gesetzt werden, als man eigentlich schon unterwegs in die Anatarktis sein wollte. So kam man viel später auf dem Südkontinent an als geplant, konnte erst viel später mit der Anlage fahrlässig gekennzeichneter Depots beginnen und schaffte es auch nicht das letzte und südlichste Depot soweit südlich einzurichten, wie es ursprünglich geplant war.

Gegen Ende des Winters 1911 präsentierte Scott dann seinen Plan für die eigentliche Polarreise. Es war eine verwickelte, unausgegorene Mischung aus den genannten Transportsystemen. Am Ende sollte ein Schlitten von vier Männern den letzten Rest bis zum Pol und komplett wieder den ganzen Weg zurück gezogen werden, nachdem alle anderen als Unterstützungsgruppen vorher nach und nach umgekehrt waren. Scott hatte für die Polgruppe ein Rückkehrdatum im März 1912 errechnet, wenn der antarktische Sommer definitiv vorbei wäre und die Temperaturen sehr tief fallen konnten. Als sei er vorher noch nie in polaren Regionen gewesen, hatte er für jeden Tag eine bestimmte Wegstrecke in seinen Plänen vorausgesetzt, dabei ist ein Unwetter in der Antarktis, das einen zwingt im Zelt zu bleiben, nicht gerade ein außergewöhnliches Ereignis. Die Proviantvorräte reichten genau bis zum Tag der geplanten Rückkehr. Das Wort Sicherheitsmarge kannte Scott offensichtlich nicht.. Genauso wenig war ihm das schon beschriebene “Schrumpfen” des Paraffins bekannt. Es ist geradezu peinlich, wie er die Unterstützungsgruppen für die Verursacher der Brennstoffknappheit in seinem Tagebuch verantwortlich macht, wo ihm dieses Phänomen doch hätte bekannt sein müssen.

Ich erspare es mir noch viele weitere Mängel in der Organisation von Scotts Expedition hier anzuführen, denn es ist doch erstaunlich, dass Scott über Jahrzehnte hinweg – nicht nur in Großbritannien – heroisiert wurde. Zu allererst lag das wohl am herrschenden Zeitgeist, der Härte und die Bereitschaft das eigene Leben für Entdeckungen oder Erkenntnisse aufs Spiel zu setzen höher einschätzte als wir das heute wohl tun und zweitens hatte Scott ein unbestreitbares Talent: Er konnte schreiben. Schon nach seiner ersten Südpolexpedition hatte er aufkommende Kritik erstickt, indem er geschickt sein Originaltagebuch bearbeitete und damit von eigenen Unzulänglichkeiten ablenkte. Auch das Tagebuch seiner letzten Expedition ist zunächst nur in edierter Fassung publiziert worden, und enthielt gut vorgetragene Klagen Scotts über die Unbilden des Schicksals. Ja, in der Anatarktis ist es bitterkalt ohne Pelzkleidung und ohne Pelzschlafsäcke, dort gibt es erstaunlicherweise Schneestürme, die einen das gesetzte Tagespensum nicht schaffen lassen und Menschen, die in Relation zu ihrer Schwerstarbeit unterernährt sind und aufgrund von Brennstoffmangel nicht mal genug Schnee schmelzen können, um wenigstens ihren Flüssigkeitsbedarf zu decken.
Obwohl mit Edward Wilson ein Arzt in der Polgruppe war, gibt es keine einzige Diagnose der verschiedenen Krankheiten der Männer. Keiner der fünf aus der Polgruppe war ohne ernste Erfrierungen geblieben. Hätten sie es  lebend zurückgeschafft, hätten ihnen mindestens Finger oder Zehen amputiert werden müssen. Trotz allem muss man die rein physische Leistung der Briten anerkennen. Bis heute hat es niemand geschafft Scotts Weg mit seinen Methoden hin und zurück lebend zu bewältigen, wie es auch bisher niemand schaffte Amundsens Weg mit seinen Mitteln noch einmal zu schaffen. Harte Kerle waren sie alle – die Gewinner und die Verlierer.

14.12.1911: Ein weisser Fleck auf der Karte – Der Triumph

Heute vor hundert Jahren ging das berühmte Rennen zum Südpol zwar nicht zu Ende, aber es wurde zumindest vorentschieden, als die Norweger Roald Amundsen, Oscar Wisting, Helmer Hanssen, Sverre Hassel und Olaf Bjaaland sowie einige Dutzend Schlittenhunde den Südpol erreichten. Fünf Wochen vor ihren englischen Konkurrenten um Robert F. Scott.
Amundsen war der kühle Intellektuelle der Polarforschung und deshalb nahm er sich jetzt Zeit, denn eingedenk des Streits um die Erreichung des Nordpols zwischen den US-Amerikanern Peary und Cook 1909, machte er sorgfältige Messungen zur Positionsbestimmung, damit er im Gegensatz zu Peary und Cook mehr als nur das eigene Wort hatte, den Pol erreicht zu haben. Zwei Tage opferte er dafür, bevor er mit seinen Leuten wieder aufbrach, um die Nachricht in einigen Wochen als erster in die Welt  telegrafieren zu können. Und dank Amundsens Planungen schafften die fünf Norweger den Rückweg nicht nur schneller als den Hinweg, sondern auch ohne mehr als antarktisübliche Strapazen, ohne Krankheiten wie Skorbut, ohne Erfrierungen, ohne Tote.

Amundsen hatte sich vor der Expedition viele Gedanken gemacht, um sie optimal durchführen zu können. Das ging schon auf der Schiffsreise in die Antarktis los, als er ein Mitglied der Besatzung, einen gelernten Blechschmied, damit beauftragte Behälter für den Brennstoff Paraffin herzustellen. Paraffin wurde noch nicht lange bei Polarexpeditionen verwendet und hatte die Eigenschaft im antarktischen Klima zu “schrumpfen”. Einfache Schraubverschlüße halfen da nicht. Dieses Phänomen konnte von jedem in der tagesaktuellen Polarliteratur nachgelesen werden. Die hergestellten Kanister waren an den Nähten schließlich doppelt verlötet und die Verschlüße zugeschweißt und sie waren damit dicht. Auf der Rückreise vom Pol errichteten die Norweger eine Art Monument aus Ausrüstungsgegenständen, laut Amundsen um zu zeigen, dass Menschen hier gewesen waren, in Wahrheit war es wohl eher Überfluß. Man hatte viel zu viel Ballast auf den Schlitten und Amundsen wollte sie erleichtern. Man hat das Monument in den 60er Jahren gefunden und die darin befindlichen Paraffinkanister waren immer noch voll.
Der Nordisch Kombinierte und Holmenkollensieger Olaf Bjaaland hobelte schon auf der Schiffsreise als gelernter Tischler an den Schlitten, um ihr Gewicht zu verringern. Schon die Auswahl der Teilnehmer kennzeichnete Amundsens Weitsicht, neben früheren Expeditionsteilnehmern wie Hanssen und Hassel waren durchweg Leute ausgewählt worden, die an harte Arbeit im Freien bei eisigen Temperaturen gewöhnt waren.

In einer Zeit , in der die motorisierte Mobilität erst begann, setzte Amundsen als Fortbewegungsmittel auf Hundeschlitten. Hunde waren ideale Zugtiere für die Antarktis. Sie schwitzen nicht über das Fell und sind Fleischfresser. In einer Gegend, wo es praktisch keine Flora gab, dafür aber Robben und Pinguine, die man gar nicht zu jagen brauchte, sondern einfach schießen konnte,  waren sie perfekt am Platz. Darüber hinaus fressen Hunde ihre toten Artgenossen. Diese Eigenschaft plante Amundsen von vornherein mit ein, so konnte man auf einen Teil der Hundenahrung auf der Polarfahrt verzichten und nach Bedarf nicht mehr benötigte oder geschwächte Tiere töten und verfüttern.
Große Sorgfalt verwendete Amundsen auf die Anlage und die Kennzeichnung von Nahrungsmittel- und Brennstoffdepots. Jedes abgelegte Kilo musste man schließlich nicht durch die Antarktis ziehen. Zunächst waren seine Leute skeptisch, da sie fürchteten die Depots nicht wiederzufinden. Aber diese Bedenken hatten sich schon bei der Depotanlage vor der Überwinterung 1911 zerstreut, denn Amundsen ließ jedes Depot mit Stangen und kleinen nummerierten Fähnchen kennzeichnen. In jede Himmelsrichtung ließ er auf die Länge von 10  Kilometern alle tausend Meter ein Fähnchen setzen, das durch einen Pfeil die Richtung des Depots wies. Selbst im Nebel fanden sie so ihre Depots, auch wenn nicht exakt navigiert worden war. Und das Navigieren wurde ihnen durch eine weitere Eigenart der Hunde erleichtert. Sie liefen besser, wenn sie etwas oder jemandem hinterlaufen konnten. Auf der Polarfahrt hatte  Helmer Hanssen den Schlitten mit dem Leitkompass, während meistens Amundsen auf Skiern  vor der Schlittengruppe herlief. Hanssen korrigierte nun per Zuruf nach Bedarf die Richtung Amundsens und so hielten sie fast die Ideallinie bis zum Pol, denn nur Inuit können schnurgerade ohne Kompass durch eine Schnee- und Eislandschaft ziehen.

Auch an andere mögliche Unannéhmlichkeiten war gedacht. Amundsen hatte ein Medizinstudium nach wenigen Semestern abgebrochen, betrachtet sich aber als medizinisch ausreichend beschlagen, um auf einen Expeditionsarzt  verzichten zu können. Oscar Wisting wurde noch in Norwegen auf einen Schnellkurs für Zahnmedizin geschickt, um für alle Fälle gewappnet zu sein. Alllerdings war es dann ausgerechnet Wisting, der auf der Schlittenreise zum Pol Zahnschmerzen bekam. Amundsen zog ihm den Übeltäter mit einer vorgewärmten Zange.

Selbst das größte Problem dieser Expedition, ein von Amundsen gewagter Frühstart gegen den Rat seiner Leute erwies sich letztlich als Segen für die Polgruppe. Zwar gab es nach dem Abbruch dieses Fehlversuches Streit und Reibereien, aber die eigentliche Polgruppe wurde danach von 8 auf 5 Männer verkleinert. Die bereits angelegten ersten Depots gewannen so enorm an Wert, denn sie waren ja  für 8 Männer und drei zusätzliche Hundegespanne ausgelegt. So hatte die Polgruppe, als sie ihre Heimatbasis auf dem Schelfeis nach erfolgreicher Poleroberung wieder erreichte, durchschnittlich ein gutes Kilogramm zugenommen.

Übrigens gehören Amundsen und Wisting zu den ersten, die – verbürgt -  am Nordpol waren, denn sie befanden sich an Bord von Nobiles Luftschiff ‘Norge’, das als erstes zweifelsfrei den Nordpol erreichte.

 

Nur mal kurz aufgetaucht

Es gibt nichts wirklich Neues. Außer natürlich der Auslosung für die Fußball-EM im nächsten Jahr. Schwere Gruppe für Deutschland hört und liest man immer. Von wegen, wir haben es geschafft das Albtraumlos schlechthin zu vermeiden:  …Irland. NIcht nur, dass die Iren von Maestro Giovanni Trapattoni trainiert werden. Nicht nur dass Stürmer Robbie Keane das grüne Trikot trägt, ein Spieler, der Zeit seiner Karriere mit Aston Villa in Verbindung gebracht wurde, aber nie das schöne weinrot-himmelblaue Jersey überstreifen durfte, und der uns schon mal bei einer WM den Sieg einfach gestohlen hat, indem er dreist und noch dazu in fast letzter Minute den Titan Olli Kahn überwand, nein, die Iren haben einen leibhaftigen Villa-Mann im Tor: Shay Given. Der wurde einst bei Manchester City aussortiert und auf die Bank gesetzt, als dort das große Geld auftauchte und die Mannschaft sportlich ganz nach oben gebracht werden sollte. Lange vor Given wurde bei den Citizens auch Innenverteidiger Richard Dunne abgeschossen und prompt von Villa für teuer Geld verpflichtet. Der hätte uns gnadenlos fertig gemacht: Schnell wie ein Traber im Galopprennen und umsichtig wie eine Blindschleiche ist er der König der  Eigentorschützen im englischen Ligabetrieb und zusätzlich mit der formidablen Fähigkeit ausgestattet den tödlichen Pass zu spielen… bis nämlich auf die Tribüne und an sehr guten Tagen sogar direkt auf die nächstbeste Straße. Sicher wird Taktikguru Trapattoni auch noch den ein oder anderen Spieler eines englischen Zweitligisten mit in den Kader berufen müssen, das sind meist eisenharte und gemeingefährliche Kerle, die das Fußballspielen teilweise in Gummistiefeln gelernt haben, weil ihre Eltern schon für Halbschuhe  nicht genug Geld hatten geschweige denn für  Fußballschuhe. Das sind immer noch hungrige Jungs; die hätten unsere Wohlstandskinder aufgefressen. Gut, dass dieser Kelch an uns vorüberging, denn dem Titel steht jetzt nichts Ernstes mehr im Weg. Bei mir liegt der Sekt schon im Kühlschrank. Ach was, Sekt …Champagner natürlich aus dem neuen Luxusladen.

Und jetzt zu den weniger wichtigen Dingen des Lebens. Nur weil ich schon über eine Woche nicht mehr dazu gekommen bin, einen neuen Beitrag zu fabrizieren ist das KEINE Aufforderung, sich mindestens acht Stunden hier im Blog zu schaffen zu machen und ihn mit sinnlosen und fehlerstrotzenden Kommentaren zu traktieren. Das wird auch in Zukunft niemand hier sehen, und selbst ich klicke keine der Verlinkungen in Ihren Kommentaren an, auch nicht, wenn Sie es schaffen sollten, die Zahl der Spams in diesem Blog bis morgen zu verdoppeln. Für schwere psychische Störungen oder auch nur frustrierende Langeweile bin ich auch der falsche Ansprechpartner und kann jetzt nicht mal jemanden mit spezifischen Kompetenzen empfehlen, wo Freud längst tot und Thomas Gottschalk kürzlich zurückgetreten ist. Also bis dann, war mir eine Ehre Sie gelöscht zu haben.

Auch schon 20 Jahre tot…

Für mich persönlich haben die Alben der Band Queen nie funktioniert.  Allerdings hatte die Band ja jede Menge sehr erfolgreicher Singles und viele dieser Songs gefallen auch mir außerordentlich, am meisten John Deacons ‘Another One Bites The Dust’. Zum Glück lebt John Deacon ja noch, um ihn geht es hier also nur am Rande, denn am 24.11.1991 starb in Kensington der Queen-Sänger Freddie Mercury an AIDS. Ich gedenke ihm mit seinem für mich schönsten und, wenn ich mich recht erinnere, auch zur Single des Jahrhunderts gewählten, Song ‘Bohemian Rhapsody’. Von dem grottigen Vorschaubild des Videos darf man sich nicht abschrecken lassen, das Video ist vom offiziellen Queen-Kanal und von ziemlich guter Bildqualität, bis auf jenes Vorschaubild:

Als Kind der 70er und Jugendlicher der 80er ist es unmöglich an Freddie Mercury vorbeizukommen, ein toller Sänger und super Performer. Freddie, YOU are the champion…

Die Jäger der verlorenen Vernunft

Kaum ein Thema beherrscht die Medienlandschaft und auch die Politik derzeit wie die rechtsextreme Gewalt. Es bleibt nicht aus, dass fast jeder sich über den Rechtsextremismus in irgendeiner Form Gedanken gemacht hat. Viele reagieren hierbei äußerst verwundert, dass die rechte Szene derart stark ist in Deutschland. Man hat doch schließlich nicht viel gehört vom Rechtsextremismus.
Doch ist es wirklich so? Ich denke die Warnleuchten scheinen schon seit mehreren Jahren äußerst grell. Denn genau in dieser Zeit hat sich das rechtsextreme Gedankengut geändert. Lange Zeit wurden die „Neo-Nazis“ als Minderheitengruppe der bildungsfernen Bevölkerung angesehen und keineswegs als eine echte Bedrohung. So wurden Straftaten mit außerländerfeindlichen Hintergrund, damit betitelt, dass man nun mal nicht jede Straftat verhindern könne und es immer Personen gäbe, die extremen Gedanken extreme Taten folgen lassen. Doch genau durch diese Passivität hat man ein Gespenst geschaffen, das nun in Deutschland umgeht. Rechtsextreme Vereinigungen bestehen längst nicht mehr nur aus Schlägertrupps, die in ländlichen Gegenden ihr Unwesen treiben. Zwar besteht eine große Masse immer noch aus solchen, allerdings werden sie nun vereinigt unter gebildeten Köpfen. Die Bildungselite beherrscht die hohen Positionen solcher widerrechtlichen Gruppierungen, die nun strategisch und vorrausschauend ihren gewalttätigen Stumpfsinn unter das Volk bringen können. Wahlerfolge bei Landtagswahlen sind die Konsequenz, mit der wir leben müssen. Menschenverachtende Wahlprogramme haben Einzug in deutsche Landtage gehalten. Ein Aufschrei ? Nur bedingt! Schnell werden Wahlerfolge auf hohe Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Instabilität zurückgeführt. Sicherlich sind auch dies Gründe dafür, aber nicht die einzigen. Die barbarische Vorgehensweise von Parteien wie der NPD sind lange vorbei. Kinderfeste organisiert von rechtsextremen Parteien sind vor allem in den östlichen Bundesländer nichts besonderes mehr. Schnell werden Ausländerhass und Fremdenfeindlichkeit indoktriniert und das bei Luftballons und Kuchen. Kein Warnsignal für die Gesellschaft?
Auch angesehene Politiker von Volksparteien zeigen sich nun öffentlich als brauner Teufel, indem sie öffentlich in literarischen Werken beschreiben, dass doch der Ausländer Schuld an allem ist und längst nicht so gut ist wie der deutsche Arbeiter. Thilo Sarrazin heißt der Mann der dies unters Volk brachte. Ein Aufschrei und Empörung war jedoch nur zu Beginn zu hören. Erschreckend schnell wandelte sich die Stimmung, es wurde ruhig um den Herrn Sarrazin und nur wenige hielten ihren öffentlichen Protest gegen ihn am Leben. Immer häufiger hörte man gar Zustimmung und Legitimierungsversuche in den Medien und erst recht in der Bevölkerung. Sprachlos ist das Wort, das meine Meinung zu solch einem Verhalten am ehesten beschreibt. Ich konnte, kann, wollte und will es nicht wahrhaben, dass eine vermeidlich hochgebildete Gesellschaft wie die unsere so etwas gutheißen kann. Auch dies kein Warnsignal für die Gesellschaft?
Und nun ist es soweit. „rechter-Terror“ steht schon nicht mehr vor der Tür,  wir haben ihn hereingelassen. Die Politik muss sicherlich etwas unternehmen. Entscheidender ist doch aber, dass sich in der Bevölkerung etwas ändert. Jeder Einzelne muss sich klar machen, dass solche Geschehnisse nicht von alleine passieren. Jeder Einzelne muss sich bewusst machen, dass er nicht zusehen darf wenn Unrecht geschieht. Und so verweise ich gerne auf Konstantin Wecker: Sage nein!

Der Luxusladen

Endlich ist der lang ersehnte neue Supermarkt in Barmbek-Nord fertig. Am Mittwoch wurden feierlich die Pforten geöffnet. Man staunt über vierhundert verschiedene Pizzasorten in den Tiefkühlregalen, dreißig verschiedene Sojasaucen darüber und Kokosmilch aus allen tropischen Regionen dieser Erde. Der Fußboden glänzt wie frisch geleckt und nachdem man das übliche, wie Kaffee, Kondensmilch oder Joghurt,  dann gefunden und in den Einkaufskorb gelegt hat, und hier und da mal in den Regalen stöberte, fällt einem das Entscheidende wieder ein: Hier Getränke zu kaufen ist selbstverständlich kein Problem, aber wie sieht es mit der Leergutannahme aus ? Um es kurz zu machen: katastrophal !!!

Da werden nicht nur die Herrschaften aus dem Quartier 21 bald murren. Das wird ein Desaster allergrößten Ausmaßes. Wahrscheinlich muss im kommenden Sommer die Fuhle auf der stadteinwärtsführenden Seite an Sonnabend- und Montagnachmittagen gesperrt werden, weil sich Menschen gegenseitig die Füße darauf platttreten. Man hat der Kundschaft einen (!) ganzen Pfandautomaten spendiert. Es werden noch Wetten angenommen, ob die absehbare Schlange von Leergutabgebern bis zum  Ohlsdorfer Friedhof reichen  oder  noch davor zu Ende sein wird.
Für mich ist das ja kein so großes Problem, der alte Getränkemarkt besteht weiter und den werde ich dann eben wie bisher aufsuchen. Aber das kommt für den Mann und die Frau von Welt, die sich mitsamt Geländewagen ein beschauliches Eigenheim im Park zugelegt haben doch gar nicht in Frage. Da müsste man über hundert Meter laufen und sogar noch diese häßliche Fuhlsbüttler Straße überqueren.
Da kommt noch jede Menge Ärger, wenn ich wirklich nichts übersehen haben sollte, beim ersten Besuch des neuen Luxusladens.

Terror von rechts ? – Leider kein Wunder

Nun sehen wir also in diesen Tagen, wohin das in den Medien so genannte “rechte Gedankengut” im Extremfall führt. Mich stört schon dieser unsägliche Ausdruck. Wo sind da denn Gedanken ?  Und was ist an diesem völlig unreflektierten Schwachsinn eigentlich “gut” ? Das sind mörderische Gedanken, wenn man sie auf den Grund ihrer Inhalte zurückführt. Das zeichnet den Rechtsextremismus doch aus, dass er sich nicht mal den Anschein gibt, alle beglücken zu wollen. Er braucht von Anfang an und ganz offen den Sündenbock, den man opfern soll, damit alles besser wird. Wir haben es doch in der Geschichte gesehen. Das kann doch niemanden überraschen.

Seitdem bekannt wurde, wer die Polizistin in Heilbronn und die vielen Imbiß- und Ladenbetreiber ermordete, und woher diese Mörder kamen, habe ich wieder oft an eine Klassenreise in die ehemalige DDR denken müssen. Weimar, Leipzig, das Völkerschlachtdenkmal und auch das KZ Buchenwald standen auf dem Besuchsprogramm. Und es gab an einem Abend ein Treffen mit Gleichaltrigen aus der DDR. Und das war für mich schockierend. Für Menschen, die jenseits der Oder-Neiße-Grenze lebten, wurden von den Jugendlichen der DDR an diesem Abend ausnahmlos und ausschließlich Schimpfwörter oder negativ besetzte Ausdrücke verwendet. Keiner hat einfach “Pole” oder die “Polen” gesagt. Niemand. Auf diesbezügliche Nachfragen reagierte man erstaunt.
In so einem geistigen Klima können dann heute “national befreite Zonen” gedeihen und man macht wieder Jagd auf “alles was anders ist”, wie Wolfgang Niedecken es im textlich wohl besten Lied der deutschsprachigen Rockgeschichte “Kristallnaach” so überaus treffend geschrieben hat. Diese fremdenfeindliche Einstellung mag nicht für die gesamte alte DDR gegolten haben, zumindest die ehemaligen DDR-Bürger, die ich hier in Hamburg getroffen habe und treffe, verkörpern da andere politische Ansichten und menschliche Einstellungen und selbstverständlich hat sich auch die alte Bundesrepublik beim Thema Integration in ihrer Gesamtheit nicht wirklich mit Ruhm bekleckert.  Aber es ist deprimierend, das sich immer noch Dummköpfe finden, die einer Ideologie huldigen, die in Deutschland schon einmal das Ruder in der hatte und das Schiff voll auf die Klippen gesetzt hat. Wie man sich nach der Schande und den Trümmerhaufen, die dieses Regime über Deutschland gebracht haben, dazu heute wieder bekennen kann, will einfach nicht in meinen Kopf.