Das DFB-Pokal Spiel Borussia Dortmund gegen Dynamo Dresden konnte ich aus beruflichen Gründen nicht sehen, aber die Randalierer, die dieses Spiel zur Nebensache machten, haben ja leider viel Aufmerksamkeit erregt. Laut Spiegel Online sind im Dortmunder Stadion Sachschäden von 150.000 bis 200.000 € entstanden, die Borussia Dortmund nun versuchen wird von Dynamo Dresden einzuklagen, so BVB-Geschäftsführer Watzke. Das ist also Liebe zum Verein, wenn man diesen zum Opfer von Schadenersatzzahlungsklagen macht. Aber selbstverständlich finden sich in Online Fußballforen schon die ersten, die die Randalierer verteidigen und das chaotische Verhalten bemänteln, wenn sie auch glücklicherweise in der Minderheit sind. Natürlich haben mal wieder Ordner und Polizisten provoziert…
Seit Beginn der neuen Saison und speziell an den letzten Spieltagen der Bundesliga hat sich das Abbrennen von Pyrotechnik zu einem echten Problem für die DFL und im DFB-Pokal für den DFB entwickelt. Und beide sind meiner Meinung nach nicht ganz unschuldig daran. Seit November 2010 gibt es eine Kampagne aus den Fankurven, genauer aus Kreisen der verschiedenen Ultra-Gruppierungen, um Pyrotechnik im Stadion zu legalisieren, angeblich weil Pyrotechnik schon immer zur Fankultur gehörte, was, nebenbei gesagt, schlicht gelogen ist, sofern man es auf Mittel- und Nordeuropa bezieht. DFL und DFB haben für mich viel zu unkritisch Verhandlungen mit den Anführern dieser Kampagne aufgenommen, ohne sicherzustellen, dass diese Kampagne hinreichend Einfluß in den Kurven hat und sich zu informieren, was deren Wortführer unter kontrolliertem Abbrennnen von Pyrotechnik verstehen, so erkläre ich mir zumindest, dass man überhaupt Gespräche mit den Ultras über dieses Thema begonnen hat. Für die Ultras ist das bloße Halten dieser sehr heißen Feuer in der Hand und mitten im Block “verantwortungsvoll”, wenn sie auch jetzt, nach dem Ende der Gespräche, neue Pyrotechnik erwähnen, die sich in einem Metallbehälter befindet. Kompetente Menschen, etwa ausgebildete Feuerwerker oder auch Firmen, die derartige Waren übers Internet anbieten, weisen jedoch auf einen für Ultras zumindest schwammigen Begriff wie ‘Sicherheitsabstand’ hin und sprechen bzw schreiben davon, dass Bengalische Feuer unter keinen Umständen in der Hand gehalten werden sollen. Von seiten der Ultras wird das Unverantwortliche also als verantwortungsvoll hingestellt und so etwas kann die DFL auch beim besten Willen nicht erlauben und hat die Gespräche im Sommer abgebrochen, worauf die Ultras trotzig reagieren und weiter zumindest zündeln, wenn nicht gar, wie leider in Dortmund, mit Zündeln als Overtüre und anschließender Randale.
Die Kampagne hatte durchaus gute Lobbyarbeit geleistet und sogar einige ehemalige DDR-Oberligisten, inklusive Dynamo Dresden, und zwei Vereine aus der alten Bundesrepublik, RW Essen und die Würzburger Kickers, die tatsächlich einmal in der 2.Liga Süd gespielt haben, als es diese noch gab, als Unterstützer gefunden. Es mag ja sein, dass sich junge Fußballfans dem Thema Pyrotechnik anders nähern als ich relativ alter Sack, aber dass diese Dinger lebensgefährlich sein können und noch immer gesetzlich verboten sind, wird mir von zu vielen Befürwortern einfach heruntergespielt oder ignoriert, vor allem natürlich von denen, die der Kampagne gar nicht erst beigetreten sind. Ein verantwortungsvolles Abbrennen kann nicht im Block in der Kurve stattfinden, es sei denn die Vereine seien wären bereit recht große Flächen als Sicherheitsabstand herzugeben und entweder entsprechende Einnahmeverluste zu akzeptieren oder die Preise für die Tickets heraufzusetzen, und was hätten diese menschenleeren “Pyrozonen” erst für eine stimmungsfördernde Wirkung. Praktikabel wäre ein verantwortungsbewußter Einsatz von Pyrotechnik also für mich eigentlich nur im Innenraum des Stadions vor dem Spiel und in der Halbzeitpause, oder, wenn ein Tor fällt, werden Feuerwerksraketen gezündet, etwa vom Rand des Tribünendaches, so ähnlich wie man es im US-Baseball nach einem Home Run des Heimteams sieht. Allles andere ist für mich reine Illusion. Als eine der ersten Konsequenzen aus den Vorfällen in Dortmund hat sich der Verein Dynamo Dresden offiziell von dieser Kampagne losgesagt und die Unterstützung aufgekündigt.